Auf dem Höhenweg – Drei Tage am Rennsteig – eine Tourenbeschreibung.
Wissenswertes und Informatives vor der Tour
Es gibt für den Rennsteig keine richtige oder falsche Geh- oder Fahrrichtung. Ob von West nach Südost oder umgekehrt, es ist beides richtig, und der „Reisende“ allein, oder in einer Gruppe, trifft die Entscheidung.
Was es aber gibt, das sind die traditionellen Regeln des Rennsteigvereins, der am Pfingstsonntag 1896 gegründet wurde. Eine vom Verein organisierte Rennsteigwanderung wird als Runst bezeichnet. Die „normale“ Runst führt in sechs Tagen über den gesamten Rennsteig. In geraden Jahren von Blankenstein nach Hörschel, in ungeraden Jahren von Hörschel nach Blankenstein.
Alle, die bisher mit dem Auto in Hörschel ankamen, fanden mit dem Wanderparkplatz eine schmuck- und freudlose Abstellfläche vor. Keine Toiletten, keine Waschmöglichkeit, keine Lademöglichkeiten fürs Bike oder Kraftfahrzeug und keine nützlichen, notwendigen oder aktuellen Informationen zum Kammweg über den Thüringer Wald.
Das ist nun ab dem 6. April 2026 erfreulich und nützlich anders. Seit dem 5. März 2025 wurde gebaut. Entstanden ist einiges von dem, was viele Jahre fehlte.
Ob es schön geworden ist, dieses Urteil, liegt wie immer im Auge des Betrachters. Ich freue mich, von nun an meine Gäste an einem neuen Platz zu begrüßen und gemeinsam loszufahren.
1. Tag
Mythos Rennsteig – Etappe Hörschel bei Eisenach – Oberhof – 65 km
Unser Weg beginnt am Wasser
Mythos Rennsteig – Unser Abenteuer beginnt am Wasser – dort, wo die Hörsel in die Werra mündet. Auf 196 Metern über dem Meer, am Rennsteigkilometer Null, heben wir einen Stein auf und legen ihn in unseren Rucksack. Nach alter Tradition der Runst, der Rennsteigwanderung, tragen wir ihn bis nach Blankenstein, um ihn dort der Selbitz/Saale zu übergeben.
Ein großes, weißes „R“ am Schlauchturm der Freiwilligen Feuerwehr Hörschel weist uns den Weg. Von hier an geht es hinauf, hinein in die Höhenzüge des Thüringer Waldes.
Nach nur 1,7 Kilometern erreichen wir die Schutzhütte „Großer Eichelberg“ auf 310 Metern Höhe. Im Südosten zeichnet sich die Wartburg ab – trutzig auf ihrem Felsen, jahrhundertelang Hüterin der Geschichte. Seit 1999 zählt sie zum UNESCO-Weltkulturerbe. Nach Westen öffnet sich das weite Werratal mit dem Grünen Band, wo Natur und Geschichte ineinanderfließen. Jenseits davon liegt die hessische Gemeinde Herleshausen.
Die vor uns liegenden Kilometer sind ein fortwährendes Auf und Ab – ein Spiel aus Steigung und Gefälle, Licht und Schatten. Vorbei an der Lerchenkuppe durch die stille Ansiedlung Clausberg, führt ein sanft geschwungener Flowtrail hinab zum Vacher Stein auf 372 Metern über dem Meer. Der Wald atmet leise, das Licht tanzt zwischen den Laubbäumen.
Bis zur Hohen Sonne sind es über kurze Trailabschnitte und breite Forstwege noch rund sieben Kilometer. Oben, auf 434 Metern, quert der Rennsteig die Bundesstraße B19. Der Ort, benannt nach der vergoldeten Turmkugel des einstigen Jagdschlosses, lädt zur Rast ein. Das Schloss selbst ist Geschichte – 2024 abgetragen, bleibt nur sein Name. Das neue
Aufstieg zum Inselsberg
Unser nächstes Ziel erhebt sich vor uns: der Große Inselsberg, mit 916 Metern über dem Meer der vierthöchste Berg Thüringens. Die Bad Tabarzer nennen ihn – wie die meisten – Inselsberg, die Brotteröder schlicht Inselberg.
Lange bevor der Anstieg beginnt, lohnt sich bei Kilometer 24,5 ein kurzer Abstecher zur Felsformation am Klöckner. Die liebevoll gestaltete Schutzhütte dort liegt direkt am Rennsteig auf 690 Metern Höhe.
Wie wird sie wohl werden, die Auffahrt auf den höchsten Gipfel des westlichen Thüringer Waldes?
Bis zum
Der Abschnitt bis zur Brotteröder Hütte gleicht einer kleinen „Wellenschaukel“. Auf 725 Metern angekommen, beginnt der finale Aufstieg: zwei Rampen, steil und fordernd. Manche Passagen steigen um 16 bis 18 Prozent an.
Ein kurzer Halt an der Schutzhütte „Venetianerstein“ belohnt mit einem weiten Blick und einem tiefen Atemzug. Dann die letzten 1,1 Kilometer, die die Oberschenkel noch einmal brennen lassen – ein würdiger Schlussakkord.
Oben, am traditionsreichen
Die Abfahrt vom Berg beginnt über altem Pflaster, wird dann schmal, steil und wellig, bis wir die Grenzwiese auf 727 Metern erreichen.
Zwischen Trockenberg, Heuberghaus, Krämerod und dem Sperrhügel.
Doch wie so oft am Rennsteig folgt auf die Abfahrt die nächste Steigung: Über die Inselsbergstraße hinweg führt der Weg zum Trockenberg (807 m). Kurz darauf geht es abwärts – und gleich wieder hinauf zum Jagdberg. (806 m).
Der Abschnitt zum
Bei Kilometer 44,5 erreichen wir die Neue Schmalkalder Hütte und überqueren die Spitter – jenen Gebirgsbach, der oberhalb im Naturschutzgebiet Ebertswiese entspringt, als einziger den Rennsteig quert und später den mit 19 Metern höchsten natürlichen Wasserfall Thüringens speist.
Unsere Räder rollen weiter – aufwärts über den Glasberg (761 m) und sanft über den Nesselberg, ehe eine kurze Abfahrt uns
Auf 715 Metern Seehöhe queren wir die Landstraße zwischen Tambach-Dietharz und Floh-Seligenthal, erklimmen den Krämerod und rollen hinab zur Weidepfuhlwiese.
Hier, auf 737 Metern, beginnt der letzte große Anstieg: Über den Sperrhügel und weiter zur Wegmarke Schmalkalder Loipe überwinden wir rund 150 Höhenmeter auf 3,5 Kilometern. Ein echter Scharfrichter, der uns noch einmal alles abverlangt – und uns schließlich auf 881,5 Meter Höhe trägt.
Oberhof – wir kommen.
Von hier führt der Weg über weite Höhen, immer oberhalb von 800 Metern, durch die sanft geschwungene Kammlinie des Thüringer Waldes. Vorbei an der Schutzhütte Wachsenrasen, hinauf zum Hohen Schorn mit seinem Aussichtsturm auf 850 Metern – ein weiter Blick nach Südosten zur Rhön.
Kurz darauf passieren wir den Gustav-Freytag-Stein und überqueren die asphaltierte Skirollerstrecke von Oberhof. Nur zwei Kilometer weiter ragen die Tribünen der
Unsere Königsetappe ist geschafft. Was bleibt, ist das zufriedene Ausrollen – und die Vorfreude auf das Ankommen im Hotel.
| Gesamtfahrzeit einschließlich Pausen | : | ca. 8 bis 10 Stunden |
| Schwierigkeitsgrad | : | schwer |
| Gesamtstrecke | : | 65 km |
| Aufstieg gesamt | : | 1650 m |
| Abstieg gesamt | : | 940 m |
2. Tag
Mythos Rennsteig – Etappe Oberhof – Neuhaus am Rennweg – 62 km
Gipfelsturm – zum höchsten Thüringer Berg.
Wir verlassen Oberhof in Richtung Grenzadler und rollen vorbei an den bekannten Sportstätten des Winters: der Rennrodelbahn Oberhof, der Skisporthalle – der einzigen Langlaufhalle Europas – und dem Biathlon-Weltcup-Stadion am Grenzadler. Hinter uns klingt noch das Echo sportlicher Geschichte und Zukunft, vor uns liegen die stillen Pfade des Rennsteigs.
Am Beginn des Anstiegs zum Schützenberg (904 m ü. NN) treffen wir erneut auf den vertrauten Höhenweg. Ein Blick nach rechts, hinüber zum Kanzlersgrund, zeigt die Hans-Renner-Schanze – ein Symbol des Wintersports, stiller, Zeuge vergangener Wettkämpfe und spannender Skispringen in der Zukunft. Der Gipfel selbst ist unscheinbar, und schon bald geht es 79 Meter tiefer über die Loipenbrücke am Rondell – der Weg weist uns weiter Richtung Süden, zum höchsten Berg Thüringens.
Nach fünf Kilometern erreichen wir am Großen Beerberg (982 m ü. NN) den mit 973 Metern höchsten Punkt des Rennsteigs. Wenige Hundert Meter später erhebt sich der Turm an Plänckners Aussicht. Von hier reicht der Blick weit nach Süden – über Suhl hinweg bis in die Rhön – das Land der offenen Fernen.
Unterhalb der Wetterstation an der Schmücke (941 m) liegt eines der
Wenn Wetter und Tagesform es erlauben, lohnt sich ein Abstecher zum
Unser Weg ins Thüringer Schiefergebirge.
Zurück auf dem Rennsteig wandelt sich der Weg in einen fließenden, reizvollen Flow-Trail. Nach acht Kilometern und 230 Metern Gefälle erreichen wir den
Durch Neustadt am Rennsteig, die „Schwämmklopfergemeinde“, führt der Weg weiter. An der Schwalbenhauptswiese liegt der tiefste Punkt unserer Etappe – 700 Meter über dem Meer. Doch der Rennsteig bleibt seinem Wesen treu: Jede Abfahrt kündigt den nächsten Aufstieg an.
Von der
Am Ortsrand wartet der nächste Anstieg zum Eselsberg (842 m) mit der
An der Eisfelder Ausspanne (757 m), einst Passhöhe der kürzesten Postkutschenstrecke vom Werra- ins Schwarzatal, gönnen wir uns einen Moment Ruhe. Dann führt der Weg hinauf zur Pechleite (839 m), einem steinverblockten Hohlweg, rau und urtümlich. Bald erreichen wir Siegmundsburg, Thüringens kleinste Gemeinde, auf 800 Metern malerisch in einem Hochtal gelegen.
Am
Zur am höchsten gelegenen Stadt am Rennsteig.
Von dort geht es trailig hinab nach Limbach 738 m hoch gelegen. Wir sind im Thüringer Porzellan- und Glasland. Hier erfand um 1760 Gotthelf Greiner, unabhängig von Böttger in Sachsen, das Porzellan neu. Der kurze, aber steile Anstieg zum Sandberg eröffnet den Blick auf Steinheid – einst freie Bergstadt, heute bekannt für kunstvoll gefertigten Christbaumschmuck aus Glas.
Die Abfahrt zur Steinheider Hütte fordert noch einmal Technik und Konzentration. Eine letzte steile Auffwärtspassage am Rollkopfgipfel vorbei, dann sind es nur noch dreieinhalb Kilometer bis zum Bahnhof Neuhaus – auf 835 Metern die höchstgelegene normalspurige Bahnstation Mitteldeutschlands. Unser Hotel erwartet uns mit Gastfreundlichkeit, gemütlichen Zimmern und schmackhaften Speisen. Erholsamer Schlaf schafft die Voraussetzung für den letzten erlebnisreichen Tag am Rennsteig.

| Gesamtfahrzeit einschließlich Pausen | : | ca. 7 bis 8 Stunden |
| Schwierigkeitsgrad | : | mittel |
| Gesamtstrecke | : | 62 km |
| Aufstieg gesamt | : | 1015 m |
| Abstieg gesamt | : | 1010 m |
3. Tag
Mythos Rennsteig – Etappe Neuhaus am Rennweg – Blankenstein – 53 km
Meine Heimatstadt
Wer im Ort dem Rennsteig folgt, bewegt sich historisch gewachsen entlang der heutigen Landstraße 1145 – innerorts zunächst über die Bahnhofstraße, später über die Sonneberger Straße.
Für den Weg in Richtung Blankenstein nutze ich lieber ruhige Nebenstraßen oder die Route über den Bornhügel. Spätestens an der Schutzhütte Igelshieb treffen wir wieder auf den Rennsteig. Vorbei an Bergwiesen können wir uns gemütlich einrollen. Die Lokalbahn führt von Neuhaus in Richtung Süden nach Sonneberg und überquert bei Ernstthal den Kammweg. Der nördliche Streckenabschnitt nach Probstzella und Saalfeld ist seit 1997 stillgelegt.
Am Ernstthaler Ortsrand gelangen wir erneut in den Hochwald. Über Wurzeln und Geröll geht es leicht bergan zur auf 810 Metern gelegenen Schutzhütte am Wintersportehrenmal. Nach der folgenden Straßenquerung fordert ein technisch schwerer Trail unsere Aufmerksamkeit: Über Wurzelstufen und -felder erreichen wir die Laubeshütte auf 830 Metern.
Der einst dichte Fichtenwald musste Trockenheit und Borkenkäferbefall weichen. Doch in den freigeräumten Lichtungen öffnen sich neue, überraschende Ausblicke. Hoffnung schenkt die sichtbare Regenerationskraft der Natur: Je nach Höhenlage entsteht ein junger, artenreicher Mischwald.
Über die Hochfläche führt der Weg sanft abwärts. Am Brand sehen wir den ehemaligen Griffelschieferbruch und passieren die gleichnamige
An der historischen Kalten Küche überquerte einst die alte Heer- und Handelsstraße Nürnberg–Leipzig den Gebirgskamm. Heute befindet sich hier das
Etwas erstaunt rollt man die folgenden 1,5 Kilometer bis zur Schleifenwiese auf feinstem Asphalt – ein Relikt aus den Tagen der Grenzöffnung ab November 1989, als der Kammweg hier von einer großen Zahl Menschen genutzt wurde.
Kurz darauf erreichen wir das Zollhaus Schildwiese. Hier trennen sich der originale und der alternative Rennsteig.
Was unterscheidet beide Routen?
Der Originalweg verläuft rund sieben Kilometer weit als asphaltierten Radweg parallel zur bayerischen Staatsstraße nach Steinbach am Wald – funktional, aber eintönig. Sinnvoll nur dann, wenn es schnell gehen soll oder der Regen in Strömen fällt.
Gut gestärkt beginnt die zweite Hälfte der Etappe. Bis zum kleinen Thüringer Dorf Brennersgrün führt der Rennsteig entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze als wurzelreicher, kurviger Trail – ein stetes Auf und Ab.
Der kurze, aber steile Anstieg zur Schutzhütte Meiler Hohe Tanne fordert uns noch einmal, bevor wir auf 722 Metern über den ehemaligen Kolonnenweg letztmalig von Bayern nach Thüringen wechseln. Insgesamt überquert der Rennsteig sechs Mal die frühere Grenze.
Ein weiter, sanft ansteigender Wiesenweg führt uns am ehemaligen Glasmacherdorf Grumbach vorbei. Nach einem trailreichen Abschnitt von zweieinhalb Kilometern erreichen wir
Oberhalb des Höhendorfes Kiesling beginnt die endgültige Abfahrt nach Blankenstein. Nur noch abwärtsrollen und genießen. Auf 415 Metern Meereshöhe angekommen, erreichen wir an der alten Holzbrücke über die Selbitz in
Noch liegt er im Rucksack – jener Stein, den wir in Hörschel an der Werra aufgenommen haben. Jetzt übergeben wir ihn in schwungvollem Wurf der Selbitz/Saale.
Ein kleiner Kreis schließt sich und der Mythos Rennsteig lebt.
| Gesamtfahrzeit einschließlich Pausen | : | ca. 5 bis 6 Stunden |
| Schwierigkeitsgrad | : | leicht bis mittel |
| Gesamtstrecke | : | 53 km |
| Aufstieg gesamt | : | 600 m |
| Abstieg gesamt | : | 980 m |

